Seenotrettung tut not – weil legale Fluchtwege fehlen

Am frühen Morgen des 29. Juni 2019 legte das Rettungsschiff der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch unter dem Kommando der Kapitänin Carola Rackete im Hafen der italienischen Küstenstadt Lampedusa an.

An Bord befanden sich über vierzig aus Seenot gerettete Menschen. Italien hatte die Einfahrt des Schiffes in den Hafen verboten und nahm deshalb die Kapitänin fest. Der jungen Frau drohen nun Gerichtsverfahren, eine lange Haftstrafe und hohe Geldbußen.

Das Besondere an dieser Geschichte:

  1. Es gibt eine Verpflichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot.
  2. Vor wenigen Wochen wurden Seeleute als Helden gefeiert, weil sie eine blonde deutsche Passagierin gerettet hatten, die während eines Luxusurlaubes von Bord eines Kreuzfahrtschiffes ins Meer gestürzt war.
  3. Im Fall Lampedusa handelt es sich um schwarze Menschen, die aus Not mit einem kleinen Boot über das Mittelmeer geflüchtet sind.
Richtige und falsche Fluchtursachen? Gibt es das überhaupt?

„Flüchtlinge“ sind mittlerweile in der Politik zu einem Begriff für „Gefahr“ und „Bedrohung“ geworden, gegen die sich die Menschen im reichen Europa mit allen Mitteln verteidigen müssen. Dabei sind es nur wenige, die überhaupt den gefährlichen Weg auf sich nehmen. Die meisten Menschen, die flüchten, bleiben in den Nachbarstaaten ihrer Länder. Wer sich aufs Meer wagt, wer diese lebensgefährliche Flucht auf sich nimmt, dem bleibt keine Wahl.

Das „christliche“ Europa wehrt sich mit aller Kraft dagegen, seine christliche Pflicht zu tun und Menschen in Not zu helfen. Lieber sollen diese Menschen im Meer ertrinken, in libyschen Gefangenenlagern vegetieren, als Geiseln gehalten und gequält werden, um Geld von ihren Familien zu erpressen, oder als Sklaven verkauft werden. Hauptsache sie kommen nicht zu uns nach Europa.

Bei den aktuellen Geschehnissen handelt es sich erneut um eine so geringe Anzahl von Geflüchteten, die auf dem Schiff vor Lampedusa darauf warten, wie über ihr Schicksal entschieden wird, dass kaum nachvollziehbar ist, warum deshalb ein derartiges Schmierentheater aufgeführt wird. Denkt man jedoch weiter in die Zukunft, so wird die Sache klarer: Die Klimakrise, die seit vielen Jahren vorhersehbar war und vor der seit ebenso vielen Jahren gewarnt wurde, macht die Abschottung Europas notwendig. Anstatt sich darum zu kümmern, angesichts der fortschreitenden Klimaveränderung noch zu retten, was zu retten ist, wird weiterhin kaum etwas getan. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU sagt es deutlich: Eine CO²-Steuer darf die wirtschaftliche Dynamik Deutschlands nicht belasten.

Die Klimaveränderungen treffen (schon jetzt) zuerst und mit größter Wucht die armen Länder im Süden. Das europäische Nichthandeln wird unweigerlich zu Fluchtbewegungen führen, die mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Anstatt aber dort zu handeln, wo es wichtig, notwendig und zielführend wäre, werden die Betroffenen zu Räubern stilisiert, die abgewehrt werden müssen.

Wo Wirtschaftswachstum über Menschenleben und Menschenrechten steht, da hilft nur, die Mauern immer höher zu ziehen – und genau das geschieht aktuell in Lampedusa. Die Festung Europa wird mit aller Macht, Gewalt und Rücksichtslosigkeit ausgebaut, damit dann, wenn die Ärmsten der Armen keine Alternative mehr haben, als vor der nicht aufgehaltenen Klimaveränderung zu fliehen, die Mauern standhalten gegen den bösen Feind. Vorbereitung tut not, dieser „böse Feind“ wird bereits jetzt in den „Flüchtlingen“ personifiziert, die uns angeblich bedrohen, die uns angeblich das, was uns gehört, grundlos streitig machen wollen.

Da aber in der öffentlichen Wahrnehmung die christliche Fahne noch hochgehalten werden muss gegen die „Islamisierung des Abendlandes“, sollen „selbstverständlich“ diejenigen gerettet werden, die ein „Recht“ darauf haben. Ein Recht auf Schutz hat jedoch nur, wem es das europäische Auge zugesteht. Fleißig wird eingeteilt in gute Flüchtlinge, denen großzügig Schutz gewährt wird (Dankbarkeit dringend erforderlich) und schlechte Flüchtlinge, die ihre Heimatländer lediglich verlassen, um uns in Europa unser Eigentum und unseren Lebensstandard streitig zu machen. Ob wir nun zu denjenigen gehören, die in Wohlstand und Luxus leben oder selbst nur über das Notwendigste verfügen – was uns gehört, was wir uns erarbeitet haben, ist in Gefahr, von räuberischen Flüchtlingen in Anspruch genommen zu werden, so wird uns weisgemacht.

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