Zu Hause in Deutschland – Gleiche unter Gleichen?

„Zu Hause in Deutschland – Gleiche unter Gleichen?“ ist eine Anthologie mit Texten von geflüchteten Menschen und von Einheimischen, denen das Einheimischsein gerne abgesprochen wird, weil sie bestimmte Eigenschaften besitzen: Sie sind Schwarz, sie tragen Kopftuch, …

Menschen fliehen nach Deutschland. Um sich vor Not, Verfolgung und Todesgefahr in Sicherheit zu bringen, nehmen sie unendliche Mühen und lebensgefährliche Wege auf sich. Nicht alle schaffen es. Aber die, die angekommen sind, werden sie auch „angenommen“?maria-braig-zu-hause-in-deutschland-komplettcover-3

Andere wurden hier geboren, leben nach gelungener Flucht schon seit vielen Jahren in Deutschland oder wurden irgendwann einmal als Arbeitsimmigrant*innen angeworben.

Dennoch werden sie oft als die „Anderen“, die Fremden gesehen. Weil sie von Migrant*innen abstammen, weil sie Schwarz sind oder weil sie ein Kopftuch tragen.

Sie alle verbindet, dass sie oft nicht als Gleiche unter Gleichen akzeptiert werden.

 

Ich brach auf zu einer Reise

(c) Salam Ibrahim

Ich brach auf zu einer Reise, ohne zu wissen, wohin sie mich führt,
nur den Traum nach Freiheit im Gepäck.
Ich wollte nicht weglaufen, ich fürchte nicht viel.
Außer Kriege, Mord und Hass und das sinnlos vergossene Blut.
Die Nacht wird endlos, wenn die Sonne nicht scheint,
Tag ohne Wiederkehr.
Meine Schritte trugen mich zum fernen Meer.
Nicht größer als ein Mandelkern,
erwartete mich am Strand ein weißes Schiff.
Ich setzte alles aufs Spiel.
Sagte zum Meer, du bringst mich in Sicherheit
oder wirst mein dunkles Grab.
Jeder Wellenschlag, der mich hinübertrug,
fand sein Echo in meinem Herzen.
Darin trage ich ein Stück meiner Heimat
und das Leuchten der Augen meines Vaters,
meiner Schwestern und Brüder.
Nun bin ich am Ziel, und es ist kein Traum.
Hoffnung erblüht zaghaft in mir.

geschrieben am 24.8.2015 im Kirchenasyl in Wiesbaden

 

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